TL;DR – DIE KURZFASSUNG

  • Kriminelle im Internet greifen nicht gezielt an – sie schicken automatisierte Angriffe an Millionen von Adressen gleichzeitig.
  • „Ich bin zu klein, mich hackt keiner" ist der gefährlichste Irrtum in der IT-Sicherheit.
  • Kleine Betriebe sind oft leichtere Ziele als große – weil sie weniger geschützt sind.
  • Ziel ist meist nicht Rache oder Spionage, sondern schnelles Geld: gesperrte Daten, gestohlene Zugangsdaten, missbrauchte Systeme.

Die einfache Erklärung

Stell dir vor, ein Taschendieb läuft durch eine belebte Fußgängerzone. Er sucht sich nicht unbedingt den Reichsten aus – er sucht den, der die Brieftasche aus der Hosentasche ragen lässt. Wer unachtsam ist, wird zum Ziel.

Genau so funktionieren die meisten Cyberangriffe. Kriminelle setzen Programme ein, die rund um die Uhr automatisch das Internet nach schlecht gesicherten Systemen durchsuchen. Dein Betrieb mit fünf Mitarbeitern steht genauso auf dieser Liste wie ein Konzern mit tausend. Der Unterschied: Der Konzern hat eine IT-Abteilung. Du vielleicht nicht.

Wer steckt dahinter – und was wollen die?

Die Vorstellung vom Hacker, der nachts im Hoodie sitzt und gezielt deinen Betrieb ins Visier nimmt, ist ein Klischee aus Filmen. Die Realität ist nüchterner – und dadurch gefährlicher.

Ransomware-Gruppen verschlüsseln deine Daten und verlangen Lösegeld. Zahlst du nicht, sind die Daten weg. Das trifft Bäckereien genauso wie Steuerberater. Das BSI verzeichnete im Berichtszeitraum Juli 2024 bis Juni 2025 mit 950 gemeldeten Ransomware-Angriffen eine weitgehend unveränderte Zahl (BSI-Lagebericht 2025).

Phishing-Netzwerke stehlen Zugangsdaten zu E-Mail, Online-Banking oder Cloud-Diensten. Mit deinen Zugangsdaten können Kriminelle in deinem Namen Rechnungen verschicken oder Geld überweisen.

Botnets kapern schlecht gesicherte Computer und nutzen sie, um weitere Angriffe zu fahren – ohne dass du es merkst. Dein PC arbeitet dann für andere.

Warum sind kleine Betriebe attraktive Ziele?

Kleine Betriebe sind leichte Ziele, weil sie oft schlechter geschützt sind, aber trotzdem wertvolle Daten haben. Große Unternehmen investieren viel in Sicherheit. Kleine Betriebe oft nicht – weil die Zeit fehlt, das Wissen fehlt oder weil man sich sagt: „Passiert uns schon nicht." Genau das macht sie zum bevorzugten Ziel.

Dazu kommt: Viele Handwerksbetriebe haben wertvolle Daten. Kundenadressen, Bankverbindungen, Auftragshistorien, Zugänge zu Lieferantenportalen. Das ist mehr wert, als es auf den ersten Blick scheint.

Ein Angriff kostet im Schnitt einen kleinen Betrieb mehrere Tausend Euro – durch Ausfallzeit, Wiederherstellung und im schlimmsten Fall Datenverlust. Für viele ist das existenzbedrohend. Bundesweit beziffert der Branchenverband Bitkom den Schaden durch Datendiebstahl, Spionage und Sabotage 2026 auf 211 bis 270,8 Milliarden Euro; 87 Prozent der befragten Unternehmen ab 10 Beschäftigten waren betroffen (Bitkom: Wirtschaftsschutz 2026).


Häufige Fragen

Ich habe doch nichts Wichtiges auf dem Computer – warum sollte mich jemand angreifen?

Selbst wenn du keine Geheimnisse hast: Dein Computer, deine E-Mail-Adresse und deine Zugangsdaten haben einen Wert. Kriminelle können sie nutzen, um andere anzugreifen oder um in deinem Namen Betrug zu begehen.

Passiert das wirklich auch bei uns in der Region?

Ja. Ransomware-Angriffe auf Handwerksbetriebe, Arztpraxen und Gemeinden sind in Deutschland gut dokumentiert. Angreifer unterscheiden nicht nach Bundesland oder Betriebsgröße.

Was ist der häufigste Einstiegspunkt für Angriffe?

Die E-Mail. Über 80 % der erfolgreichen Angriffe beginnen mit einer gefälschten E-Mail – mehr dazu im Artikel Phishing & Social Engineering.

Verwandte Artikel: Phishing und Social Engineering, Passwörter und Zwei-Faktor-Authentifizierung und Was passiert, wenn kein Backup da ist. Wie gut dein Betrieb aufgestellt ist, zeigt dir der IT-Checkup für Handwerk und KMU in Ampelfarben.